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Griechisch
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Verbreitung der griechischen Sprache
Die griechische Sprache ist eine indoeuropäische Sprache und gehört zu einem eigenen Zweig dieser Sprachfamilie, der als die Gruppe der Kentum-Sprachen bezeichnet wird. Es ist anzunehmen,
dass das Griechische einmal nahe verwandt war mit der antiken makedonischen Sprache.
Es gibt in etwa 12 Millionen griechische Muttersprachler, wovon ca. 9,9 Millionen in Griechenland leben, wo es die offizielle Amtssprache ist. Die übrigen Muttersprachler sind verstreut auf
35 verschiedene Staaten. Außer in Griechenland ist Griechisch neben der türkischen Sprache offizielle Amtsprache auf Zypern. Davon abgesehen wird Griechisch in manchen Gemeinden Südalbaniens, in denen
eine griechische Minderheit lebt, als lokale Amts- und Schulsprache akzeptiert.
Zur Geschichte der griechischen Sprache
Die schriftsprachliche Tradition des Griechischen setzt im 17. Jahrhundert v. Chr. ein und ist somit die älteste der Welt. Die ältesten existierenden schriftlichen Belege der Sprache wurden
in Linearschrift B abgefasst und stammen aus mykenischer Zeit.
Nach der Zerstörung der Palastzentren im Laufe der sogenannten „dunklen Jahrhunderte“ (1100 – 700 v. Chr.) und dem damit einhergehenden Verlust der Linearschrift B übernahmen die Griechen
das phönizische Schriftsystem, welches im Grunde heute noch verwendet wird.
In der klassischen Antike gab es eine Vielzahl griechischer Dialekte. Die wichtigsten unter ihnen waren das Attische (wird noch heute in den Schulen als „Altgriechisch“ gelehrt), das
Ionische, das Dorisch-Nordwestgriechische, das Aeolische und das Arkadisch-Kyprische.
Durch die politische, wirtschaftliche und kulturelle Vormachtstellung Athens im 5. Jahrhundert v. Chr. wurde der dort gesprochene attische Dialekt zur überregionalen Gemeinsprache und stieg
unter der Herrschaft Alexanders des Großen im 4. Jahrhundert zur Weltsprache und lingua franca auf.
Die kulturelle Überlegenheit des Ostens führte dazu, dass Griechisch selbst im Römischen Reich neben Latein seinen Status als Amtssprache beibehalten konnte.
Der Einfluss fremder Sprachen und Dialekte führte zum Bestreben, die griechische Sprache zu „reinigen“ und auf das klassische Attisch zurückzugreifen. Einige Jahrhunderte nach der Teilung
des Römischen Reiches wurde eine solche bereinigte Form des Griechischen zur Amts- und Literatursprache des Byzantinischen Reiches erklärt.
Vollends verboten war der Unterricht in griechischer Sprache während der Besatzung durch das Osmanische Reich. So wurde Griechisch oftmals heimlich von Priestern unterrichtet und auch sonst
teilweise im Alltag gebraucht, unterlag jedoch aufgrund geringer Schriftkenntnis und Lehrermangels in dieser Epoche starken Veränderungen.
Die moderne griechische Staatsgründung führte schließlich zur Einführung der sogenannten Katharévousa (griechisch: Reinsprache) als offizielle Unterrichts- und Amtssprache. Dabei handelte es sich eigentlich um eine Kunstsprache, die den Wortschatz der am klassischen Attisch orientierten Koiné beibehielt, jedoch neugriechisch geprägte grammatikalische Strukturen aufwies.
Erst im Jahre 1976 wurde die Volkssprache (Dimotiki) endgültig zur offiziellen Sprache der staatlichen Verwaltung und der Wissenschaft; allerdings wurden mit der Zeit viele
Katharévousa-Worte wieder in die Dimotiki übernommen.
Besonderheiten der griechischen Sprache
Obwohl die griechische Sprache im Laufe der Jahrtausende eine Vielzahl von Veränderungen in ihrer Aussprache durchlaufen musste, blieb die Orthographie dank der enormen Bemühungen um die
„Reinheit“ der Sprache weitestgehend identisch. Die aus der hellenistischen Zeit stammenden Akzente und Symbole für Hauchlaute wurden noch bis in die jüngste Zeit verwendet. Der Akzent Gravis, der Akzent
Zirkumflex sowie die Hauchzeichen Spiritus asper und Spiritus lenis wurden am 29. April 1982 durch Erlass des Präsidenten abgeschafft. In der griechischen Schriftsprache gibt es seitdem nur noch den
Akzent Akut, der die Betonung einer Silbe anzeigt.
Was den Unterschied zwischen der altgriechischen und der neugriechischen Sprache anbelangt, so kann man sagen, dass die Grammatik des Altgriechischen zunächst recht viele Ähnlichkeiten zum
Lateinischen aufweist, z.B. hinsichtlich der Partizipialkonstruktionen. Beim Erlernen der altgriechischen Sprache sind Lateinkenntnisse also durchaus von Vorteil. Allerdings muss hinzugefügt werden, dass
das Altgriechische in vielen Fällen von der Struktur her der deutschen Sprache ähnlicher ist als dem Lateinischen, beispielsweise sind die bestimmten Artikel dem Deutschen sehr ähnlich, während diese im
Lateinischen ganz fehlen. Außerdem kann die Ähnlichkeit mit dem Lateinischen hin und wieder auch Verwirrung auslösen, da die Zeitformen im Griechischen oftmals anders verwendet werden als im Lateinischen.
Die Grammatik des Neugriechischen (Dimotiki) orientiert sich im wesentlichen noch am Altgriechischen, jedoch gibt es drei grundlegende Unterschiede:
Zum Einen existiert in der neugriechischen Sprache kein Infinitiv mehr. Dieser wird ersetzt durch eine Satzkonstruktion mit „na“: „Thelo na pao.“ => „Ich will gehen.“ (wörtlich: „Ich will, dass ich gehe.“)
Zweitens wird der Dativ im Neugriechischen durch die Präposition ‚se’ mit Akkusativ ersetzt bzw. wird beim nachfolgenden Artikel „s“ vorangestellt. => „sto periboli“ = „im Garten“.
Drittens ist im Neugriechischen das Perfekt nicht mehr existent und wird nun vollständig durch den Aorist ersetzt.
Die griechische Sprache und Schrift hat die Entwicklung Europas in enormem Maße beeinflusst: Die meisten europäischen Sprachen weisen zahlreiche griechische Wurzeln auf, und sowohl das
lateinische als auch das kyrillische Alphabet entstanden auf der Grundlage des griechischen Alphabets. Die durch die Flucht vieler Byzantiner in den Westen nach dem Fall Konstantinopels 1453 ausgelöste
Rückbesinnung auf das im Westen fast vergessene Griechisch war eine der Hauptquellen der Renaissance und des Humanismus.
Bis zum heutigen Tag werden wissenschaftliche Fachbegriffe mit Vorliebe unter Rückgriff auf griechische (und lateinische) Wörter geprägt.
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